Viazul wird vor allem von Touristen genutzt und in Fremdwährung (meist Euro) bezahlt – und genau deshalb läuft er weiterhin relativ zuverlässig. Für Kuba sind diese Busse eine wichtige Quelle für Devisen, weshalb die Verbindungen nach Möglichkeit bis zuletzt aufrechterhalten werden.
Alltag in Kuba 2026 aus erster Hand: Meine Erfahrungen mit Treibstoffmangel, Stromausfällen und Engpässen
In Kuba hat sich der Alltag in den letzten Monaten deutlich verändert – vor allem durch den Treibstoffmangel. Lebensmittel sind schwerer zu bekommen, Busse und Mitfahrgelegenheiten fahren unregelmäßig, und selbst Strom, Telefon und Internet fallen immer wieder aus. Dinge, die früher selbstverständlich waren, erfordern heute Geduld, Planung – und manchmal einfach eine Portion Glück.
Ich bin Luis und lebe auf Kuba. Um genau zu sein in Santa Clara, einer Stadt in der Mitte von Kuba. In diesem Beitrag erzähle ich euch, wie sich die aktuellen Herausforderungen ganz konkret in meinem Alltag zeigen: beim Einkaufen auf den Märkten, auf den Fahrten zwischen Städten wie Sancti Spíritus und Santa Clara, bei der Müllentsorgung oder beim Versuch, mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben.
Und es ward Licht - wie sich der Treibstoffmangel auf die Stromerzeugung auswirkt
Ein großes Problem in Kuba ist die Stromversorgung. Wegen des Treibstoffmangels wird im ganzen Land weniger Strom produziert – selbst in Havanna kommt es inzwischen zu geplanten Stromausfällen. Besonders hart trifft es aber die Regionen außerhalb der Hauptstadt, vor allem im Zentrum und im Osten des Landes. Dort gehören lange Stromausfälle schon seit Monaten oder sogar Jahren zum Alltag. Während sich viele Menschen in Havanna jetzt darüber aufregen, ist diese Situation für andere Teile des Landes längst zur Normalität geworden.
In den meisten Provinzen wissen die Menschen oft nicht, wann der Strom kommt oder wie lange er bleibt. Ganze Orte haben manchmal nur zwischen vier und zehn Stunden am Tag Strom. Der Rest der Zeit: Dunkelheit. Ich merke das auch in meiner Familie. In den letzten Tagen hatte meine Mutter teilweise 17 bis 20 Stunden am Stück keinen Strom. Solche Situationen sind keine Ausnahme mehr.
Durch die Instabilität des Stromnetzes kommt es außerdem immer wieder zu plötzlichen Ausfällen. Manchmal sind ganze Provinzen betroffen, im schlimmsten Fall sogar das ganze Land – und das für mehrere Tage. Früher passierte so etwas nur nach Hurrikans oder in besonderen Ausnahmefällen. Aktuell gehört es einfach zum Alltag in Kuba.
Viele Menschen versuchen deshalb, eigene Lösungen zu finden. Solaranlagen, Batterien oder Ladestationen werden immer wichtiger. Sowohl staatliche als auch private Anbieter verkaufen solche Produkte inzwischen häufiger. Doch für die meisten sind sie kaum bezahlbar. Ein Solarmodul kostet aktuell zwischen 110 und 160 US-Dollar – ohne Zubehör. Für viele Kubaner ist das eine enorme Summe, gemessen am durchschnittlichen Einkommen. Deshalb bleibt für die meisten nur, sich irgendwie mit den Stromausfällen zu arrangieren und den Alltag darum herum zu planen.
Versorgungskrise - Wenn Einkaufen zur Herausforderung wird
Im Alltag in Kuba 2026 spürt man die Versorgungskrise jeden Tag – besonders beim Einkaufen. Zwar hat Kuba Lebensmittelspenden aus verschiedenen Ländern erhalten, doch diese Hilfe reicht bei weitem nicht aus. Sie fühlt sich eher wie ein Trostpflaster an, während die eigentlichen Probleme weiter bestehen. Die Gründe dafür sind vielfältig: eine schwierige Agrarpolitik, zu wenige Menschen, die noch auf den Feldern arbeiten, viele, die das Land verlassen, und fehlende Devisen, um Lebensmittel im Ausland einzukaufen. Das alles führt dazu, dass in den staatlichen Bodegas immer weniger Produkte verfügbar sind.
Wenn man heute Lebensmittel kaufen will, ist man meist auf den privaten Sektor angewiesen. Kleine und mittlere Unternehmen organisieren den Großteil des Angebots. Dort gibt es fast alles – von Fleisch, Nudeln und Konserven bis hin zu Süßigkeiten und Getränken. Auch Hygieneartikel sind erhältlich. Doch die Preise sind für kubanische Verhältnisse hoch und ändern sich ständig.
Besonders spürbar ist das auf den Märkten. Die Preise für Obst, Gemüse und andere Grundnahrungsmittel steigen oft von Woche zu Woche. Heute kostet ein Pfund Tomaten vielleicht 100 CUP – morgen schon 130. Noch teurer wird es bei den „Carretilleros“, den Straßenhändlern. Dort zahlt man für denselben Einkauf oft deutlich mehr. Ein einfacher Kohlkopf kann schnell bis zu 1.000 Pesos kosten.
Für viele Kubaner ist das kaum noch zu bezahlen. Vor allem ältere Menschen, Familien mit wenig Einkommen oder alleinerziehende Mütter stehen vor großen Problemen. Die Löhne und Renten reichen einfach nicht aus. Ein Grundnahrungsmittel wie Reis kostet inzwischen etwa 300 CUP pro Pfund – in den Städten oft sogar noch mehr.
Zu Fuß bis nach Santiago - Wenn die Busse nicht mehr fahren
Wer als Kubaner aktuell zwischen den Provinzen reisen möchte, braucht vor allem eines: Geduld. Die meisten Interprovinzverbindungen der staatlichen Busgesellschaft Empresa de Ómnibus Nacionales wurden inzwischen eingestellt. Übrig geblieben ist lediglich eine einzige tägliche Hin- und Rückfahrt von den Provinzhauptstädten in die Hauptstadt Havanna. Entsprechend begehrt sind die wenigen verfügbaren Plätze.
Rund um die offizielle Buchungs-App hat sich deshalb ein kleiner Parallelmarkt entwickelt. Manche sichern sich dort Tickets, nur um sie später deutlich teurer weiterzuverkaufen. Offiziell kostet eine Busfahrt von Santa Clara nach Havanna gerade einmal 80 CUP. Auf dem Schwarzmarkt können dafür jedoch bis zu 10.000 Pesos verlangt werden – ein enormer Unterschied.
Auch die Züge im Land sind heute eher selten unterwegs. Statt regelmäßiger Verbindungen gibt es oft nur noch zwei bis drei Fahrten pro Monat. Und selbst wenn ein Zug fährt, ist Geduld gefragt: Verspätungen von fünf bis siebzehn Stunden sind keine Seltenheit. Dazu kommen Berichte über Diebstähle von Gepäck oder persönlichen Dingen, sowohl im Zug als auch an den Bahnhöfen – weshalb viele Reisende den Bus trotz allem noch als die verlässlichere Option sehen
Immerhin bleiben einige wichtige Sonderverbindungen erhalten. Dazu gehören die sogenannten Medibusse, die medizinisches Personal sowie Patienten ohne schwere Erkrankungen zwischen den Provinzen transportieren. Für viele Menschen sind sie derzeit eine der wenigen halbwegs verlässlichen Möglichkeiten, größere Distanzen im Land zurückzulegen.
Ein Beispiel: Im Januar hat eine Mitfahrgelegenheit zwischen Jatibonico und Sancti Spíritus noch etwa 500 CUP pro Person gekostet. Inzwischen werden dafür 1200 bis 1500 Pesos verlangt – je nachdem, wann der Fahrer fährt und wie viele Plätze frei sind.
Mitfahrgelegenheiten und private Fahrten sind zwar weiterhin eine der wichtigsten Möglichkeiten, um in Kuba von A nach B zu kommen – aber billig ist das längst nicht mehr. Sowohl bei Benzin- als auch bei Elektrofahrzeugen haben sich die Preise in den letzten Monaten auf das Drei- bis Vierfache erhöht.
Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung auf anderen Strecken. Die Verbindung von Cienfuegos nach Santa Clara hat früher etwa 1000 CUP gekostet. Im März gab es diese Mitfahrgelegenheit gar nicht mehr – zumindest zeitweise scheint die Strecke komplett verschwunden zu sein.
Wie schwierig es geworden ist, spontan zu reisen, habe ich kürzlich auch in meinem direkten Freundeskreis wahrgenommen: Ein guter Freund musste dringend nach Santa Clara kommen. Da es keine Mitfahrgelegenheiten gab, blieb ihm am Ende nur der Bus der staatlichen Fernbuslinie für Touristen: Viazul
Paradox ist allerdings: Touristen gibt es momentan gar nicht so viele, trotzdem sind die Busse meistens voll. Ich bin letzte Woche selbst auf der Strecke von Sancti Spíritus nach Santa Clara mitgefahren – und im Bus war kaum noch ein Platz frei.
Die meisten Fahrgäste waren keine Touristen, sondern Kubaner. Viele von ihnen waren mit großen Koffern unterwegs auf dem Weg zum internationalen Flughafen José Martí International Airport in Havanna, weil sie ins Ausland reisen wollten. Andere – so wie ich – konnten den Bus nutzen, weil Verwandte oder Freunde im Ausland das Ticket bezahlt hatten. Für viele ist das nämlich immer noch deutlich günstiger, als ein privates Auto für eine längere Strecke zu mieten.
Grundsätzlich gilt: Wer mit Viazul reisen möchte braucht eine ausländische Kreditkarte um die Fahrkarten zu kaufen. Für die Mehrzahl der Kubaner ein Ding der Unmöglichkeit.
Stromausfälle in Kuba - Ohne Empfang und Internet
In Kuba spürt man die Energiekrise inzwischen nicht nur im Alltag – sie wirkt sich auch massiv auf Telefon, Internet und Medien aus. Der Grund: Viele Telekommunikationsanlagen verfügen über keine Notstromaggregate. Fällt der Strom aus, brechen deshalb oft auch die Verbindungen zusammen.
Gerade in kleineren Orten bedeutet das, dass ganze Dörfer plötzlich ohne Internet und Telefon dastehen. In manchen Fällen funktioniert sogar das Festnetz nicht mehr. Für die Bewohner heißt das: kein Kontakt zur Außenwelt, manchmal für viele Stunden oder sogar länger.
Deshalb nutzen viele Menschen die kurzen Momente, in denen der Strom zurückkommt, so effizient wie möglich. Dann wird gekocht, Wasser gepumpt, das Handy geladen – und natürlich versucht man, Nachrichten zu lesen oder mit Familie und Freunden zu sprechen, egal ob innerhalb des Landes oder im Ausland.
Wie schwierig das manchmal ist, merke ich selbst immer wieder. Meine Mutter wohnt auf dem Dorf. An manchen Tagen schaffe ich es nur, ein paar Minuten mit ihr zu telefonieren – und selbst dann ist die Verbindung oft schlecht oder bricht plötzlich ab.
Auch die Medienlandschaft bleibt von der Situation nicht verschont. Die Regierung hat angekündigt, dass die gedruckten Ausgaben der Provinzzeitungen ab März komplett eingestellt werden. Bisher erschienen sie immerhin noch einmal pro Woche. Die landesweiten Zeitungen werden zwar weiter gedruckt, aber nur noch einmal wöchentlich statt wie früher sechsmal.
Und auch bei Radio und Fernsehen wird gespart: Die Sendezeiten wurden deutlich verkürzt. Der Grund ist simpel – es fehlt der Treibstoff für Generatoren, die während der Stromausfälle den Sendebetrieb aufrechterhalten könnten.
Wenn der Müll liegen bleibt: Was passiert, wenn der Müll nicht abgeholt wird
Der Treibstoffmangel macht sich im kubanischen Alltag nicht nur beim Strom oder Transport bemerkbar, sondern auch bei der Müllentsorgung. In vielen Städten wird der Müll oft wochenlang nicht abgeholt. Gleichzeitig sammelt sich immer mehr Abfall an – vor allem Kartons, Plastik oder leere Dosen. Orte, die früher für ihre Sauberkeit bekannt waren, wirken heute vielerorts überfordert. An vielen Straßenecken entstehen neue Müllberge, und selbst offizielle Sammelstellen werden schnell zu unübersichtlichen Haufen.
Um das Problem irgendwie in den Griff zu bekommen, wird Müll häufig einfach verbrannt. Das sorgt jedoch für eine deutlich schlechtere Luftqualität. Gleichzeitig versuchen einige Gemeinden, kreative Lösungen zu finden – zum Beispiel mit Elektrofahrzeugen oder sogar Pferdefuhrwerken, wie sie schon in den 90er Jahren genutzt wurden.
Die Situation ist von Region zu Region sehr unterschiedlich. In Havanna haben Konny und ich Straßen gesehen, die regelrecht im Müll versunken sind, besonders in der Altstadt. Bei einer Übernachtung mussten wir sogar ein Stück zu Fuß gehen, weil unser Taxi wegen der Müllberge nicht weiterfahren konnte. Ganz anders war es in Viñales: Trotz ähnlicher Probleme wirkte das Dorf sauber und gut organisiert.
Immer häufiger sieht man in Kuba Menschen, die im Müll nach verwertbaren Dingen suchen. Früher ging es dabei meist um den Verkauf von recycelbaren Materialien. Heute geht es darum Dinge zu finden die man selbst gebrauchen kann – zum Beispiel Glasflaschen, Kleidung oder sogar alte Elektronik. Viele suchen tagsüber, manche auch nachts mit Taschenlampen. Dabei wird der Müll oft weiter verteilt, was die Situation zusätzlich verschärft. Auch streunende Hunde und Katzen tragen dazu bei, indem sie nach Essensresten suchen und Abfälle auseinanderziehen.
Die Müllproblematik zeigt sehr deutlich, wie stark Treibstoffmangel und Ressourcenknappheit den Alltag in Kuba 2026 prägen. Gleichzeitig sieht man aber auch, wie kreativ die Menschen versuchen, mit diesen Herausforderungen umzugehen.
Kuba ist und bleibt ein faszinierendes, wunderschönes Land – reich an Kultur, Geschichte und beeindruckender Herzlichkeit. Doch wer die Insel aktuell bereist, begegnet einer tiefen, allgegenwärtigen Krise. Treibstoffmangel, Stromausfälle und Versorgungsengpässe prägen den Alltag sichtbar und spürbar.
Aktueller Stand 19.03.2026: Aufgrund der aktuellen Lage insbesondere dem Konflikt mit den Vereinigten Staaten raten wir zum jetzigen Zeitpunkt von einer (Urlaubs-)Reise ab. Wir gehen aber davon aus, dass sich die Lage mittelbar wieder stabilisiert. Wer trotzdem schon mal ein bisschen kubanische Urlaubsluft schnuppern will kann gerne hier oder hier vorbeischauen.

